Wie mich die Worte fanden
Wenn sich Buchstabe an Buchstabe reiht und sich verständliche Wörter bilden, ein Wort zum anderen findet und Satzgebilde einen Sinn ergeben – dann entsteht Text.
In vielen Texten findet man geschickte Formulierungen von wortgewandten Schreibern. Protagonisten stiefeln durch eine Geschichte, jagen dabei einer Hoffnung nach, streben ein Ziel an, ohne zu wissen, dass sie von Antagonisten verfolgt werden, die ihnen permanent Steine in den Weg legen, nur damit sie ihr Ziel verfehlen. Umgebungen der Protagonisten und Antagonisten entstehen in ihrer üppigen Vielfalt vor dem geistigen Auge des Schreibers und des anschließenden Lesers. Höhen und Tiefen der Gefühlswelt werden mal brutal, mal zärtlich warm angesprochen.
So manche beschriebene Szenerie drängt den alltäglichen Wahnsinn in den Hintergrund. Wenn Texte die Sinne streifen, dann entstehen Bilder im Kopf.
Um diese Wortgemälde erstellen zu können, bedarf es des Handwerks Schreiben. Ein Handwerk, dass genauso erlernt werden muss, wie jedes andere Handwerk auch. Wobei klar erkannt werden muss, dass nicht jeder Schreiber auch zu einem Wortmaler wird.
Ich habe mich auf den Weg gemacht, ein Wortmaler zu werden und das Handwerk Schreiben, ausführlich zu erlernen. Ich möchte Geschichten erzählen, Romane schreiben, lesbare Worte verfassen, die vorstellbar formuliert, den Leser begeistern. Ob mir das gelingt, weiß ich jetzt noch nicht.
Zum Schreiben kommt man über das Lesen. "Wer viel liest, wird mit der
Zeit auch verstehen", sagte ein kluger Kopf und ich habe gelesen. Viel, sehr viel und immer noch zu wenig. Doch beim Lesen habe ich sie bewundert, die Denker, die sich die vielen schönen, manchmal aber auch seltsamen Texte ausdachten. Die Autoren, die es fertigbrachten, mich abtauchen zu lassen, in Welten voller Bilder im Kopf.
Irgendwann geschah es. Ich nahm real wahr, dass mich die Worte verfolgten. Ich konnte mich ihnen gar nicht entziehen. Sie strömten einfach auf mich zu, stauten sich in mir, vermehrten sich und erzeugten einen fantasiegeladenen Druck. Immer schlechter schlief ich und wusste nicht warum. Erst als ich begann, meinen Fingern auf der Tastatur ungezügelten Lauf zu lassen, ließ der Druck nach, und der Schlaf kam wieder.
Die Wörter haben mich gesucht und sie haben mich gefunden. Ich freue mich, in die Welt der Worte gefunden zu haben, oder noch besser formuliert, dass die Worte mich gefunden haben. Diese Welt empfinde ich als eine wunderbare Erweiterung meines Ichs.
Andreas Witteler